Antje Bleck
Das Wesen des Wassers

„Ich bin viel (mehr als ich weiß)“, sagt die Mannheimer Künstlerin Antje Bleck über sich und ihre Arbeit. Die Intuition nimmt in ihrem Schaffen breiten Raum ein, das Gros ihrer Bilder entsteht in freier Natur. Die Besonderheit des Ortes wahr – zu - nehmen, mit ihm in Zwiesprache zu treten und seine Geheimnisse zu enträtseln – der Malprozess beginnt fast immer auf diese Weise. Schon von klein auf versuchte sie, die Welt zeichnend zu entdecken. In Antje Blecks Vorliebe für kleinste Details, wie sie die Natur in Steinen und Bäumen, dem Flackern des Feuers und den Bewegungen des Wassers ausformt, spiegelt sich die beharrliche Suche nach dem Zusammenhang des großen Ganzen, den sich ständig wandelnden Gesetzmäßigkeiten des Universums.

Ob auf der Kanareninsel La Palma – die seit Jahren eine magische Anziehungskraft auf die Malerin ausübt, in exotischen Landstrichen wie Madagaskar oder in der vertrauten Pfalz: Antje Bleck zieht es an „wilde“, ursprüngliche Orte. Viele ihrer Bilder erschließen eine „Welt hinter der Welt“. Weder ganz gegenständlich noch ganz abstrakt lassen sie den Betrachter völlig in die Weltsicht der Malerin eintauchen.

„Wie kann „Ein – Klang“ zwischen der großen alten Mutter Erde und ihren Bewohnern wieder hergestellt werden, und was kann ich als Mensch, Frau, Künstlerin dazu beitragen?“ Das Zusammenspiel der weiblichen und männlichen Kräfte beschäftigt sie: „Ich will „Wesen–tlich–Es“ herausfinden, die Bedeutung der weiblichen Talente Intuition, Traum, Fantasie betonen, die für den Wandel unserer Welt so wichtig sind – und eine neue Form des konstruktiven Miteinanders zwischen Mann und Frau finden“, unterstreicht die sanfte Feministin.

Kräftige Farben und schwungvolle Formen dominieren, die Energie von Sonne, Leben und Lust spricht aus den Bildern, vor allem aus jenen, die am Wasser entstehen. Sie entspringen einer äußerst ungewöhnlichen Technik: „Sobald ich den Kontakt mit dem Ort fühle, skizziere ich grob und sehr schnell mit Graphit oder Kohle. Ohne nachzudenken lasse ich die Hand über das Papier ‚fließen’. Direkt aus der Tube trage ich mit den Fingern Aquarellfarben auf. Dann lasse ich das Wasser seine Geschichte erzählen: Das Papier taucht in den Fluß, eine Welle des Meeres spült darüber, Regentropfen tanzen darauf... So entstehen eigenwillige Muster, Bilder, die ich zu entschlüsseln versuche, indem ich Formen verdeutliche, Wesentliches betone. Antworten finden - Zeit spielt keine Rolle mehr, ich erfahre, wie relativ sie ist, welch eine Illusion...“

Das geduldige Gespräch zwischen Natur und Künstlerin lässt eine ureigene Ideenwelt entstehen. In Antje Blecks Arbeit gibt es weder inhaltliche noch stilistisch Festlegungen. Anstatt in anderen Künstlern und vergangenen Epochen sucht sie ihre Vorbilder in der Natur – und in sich selbst als Teil des großen Ganzen. Die sinnliche Erfahrung, das Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken sind grundlegend für ihre Malerei.